Last Updated: Tuesday, 25 November 2014, 14:08 GMT

Somalien - Länderinformationsblätter

Publisher Switzerland: Federal Office for Migration
Publication Date 1 April 1996
Cite as Switzerland: Federal Office for Migration, Somalien - Länderinformationsblätter, 1 April 1996, available at: http://www.refworld.org/docid/4670e7782.html [accessed 26 November 2014]
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1. Verfassung

1.1. Staatsname

Somalische Demokratische Republik

"Jamhuuriyadda Dimoqraadiga Soomaaliya"

1.2. Staatssymbol und Staatswappen

Die Flagge des somalischen Staates ist ein weisser Stern auf blauem Grund, dessen fünf Zacken die Einheit der fünf ehemaligen kolonialen Gebiete mit somalischer Bevölkerung darstellen soll (Französisch Somaliland [heute Djibouti], Britisch Somaliland [heute Republik Somaliland], Italienisch Somaliland [heute Somalia], Ogaden [heute in Äthiopien], Northern Frontier District [heute in Kenya]).

1.3. Staatsform

Die ehemalige Verfassung von 1979 ist seit dem Zusammenbruch des Regimes von Siad Barre im Januar 1991 ausser Kraft gesetzt und durch keine neue ersetzt worden.

2. Soziales und Kultur

2.1. Bevölkerung

Gemäss Schätzungen der UNO leben etwa 5 Millionen Menschen in Somalia (dazu noch 3,8 Millionen in Somaliland). Die Angaben sind allerdings aufgrund der anarchischen Verhältnisse und der grossen Zahl von Flüchtlingen wenig zuverlässig. Über 1,5 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes oder in Nachbarstaaten geflüchtet, davon ist ein Teil bis heute zurückgekehrt. Die Mehrheit der Somalier (75 %) lebte vor dem Bürgerkrieg in ländlichen Gebieten. Die grössten Städte sind Mogadiscio (600'000) und Kismayo (200'000).

Die Somalier bilden eine ethnisch einheitliche Gruppe: 95 % aller Somalier gehören der gleichen ethnischen Gruppe an, sie gehören zum Stamm der Somali. Trotz dieser aussergewöhnlichen ethnischen Homogenität ist die somalische Gesellschaft in viele Gruppen entlang der Clanfamilien gespalten.

Die Zugehörigkeit zu einem Clan spielt eine äusserst wichtige Rolle im Leben eines Somaliers. Die Somalier sind in vier grosse Clanfamilien mit nomadischer Tradition (Darod, Dir, Issaq, Hawiye) und zwei weitere Clanfamilien mit sesshafter Tradition (Digil, Rahanwein). Jede Clanfamilie wiederum ist in Clans und diese in Sub-Clans aufgeteilt:

-------------------nomadische Clans:----------------------- sesshafte Clans:

Darod: Dir: Issaq: Hawiye: Digil Hawiye

Absame Cise Ayub Abgal Tuni Jiroon

Dulbahante Donbira Eidagalla Ajooran Mirifle

Majeerten Gadaboursi Habr Awal Dagoodiya Sagaal

Marehan Samaron Habr Jaalo Habr Gedir Siyeed

Ogadeen (et d'autres) Habr Madagle Hawadle

Warsangali Habr Yoonis Hiluwle

(et d'autres) Isse Musa Jalaf

(et d'autres) Murusade

Waddan

(et d'autres)

2.2. Sprache

Somali ist die offizielle Staatssprache und wird von allen Somaliern - mit regional unterschiedlichen Dialekten - gesprochen. Daneben ist auch Arabisch und Englisch und Italienisch als Handelssprachen gebräuchlich.

2.3. Religion

Der Islam ist gemäss ehemaliger Verfassung Staatsreligion. Auch ohne Verfassung ist der Islam die dominierende Religion in Somalia. Nahezu alle Somalier sind sunnitische Muslime der schafitischen Rechtsschule.

2.4. Schul- und Bildungswesen

Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges waren 76 % aller Somalier Analphabeten. Heute dürfte diese Zahl weit höher liegen, denn während der des Bürgerkrieges waren nur wenige Schulen zeitweise offen.

2.5. Medizinische Infrastruktur

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung war bereits vor Ausbruch des Bürgerkrieges sehr spärlich und wenig entwickelt. Das anhaltende Chaos hat eine Krankenversorgung weitgehend zum Erliegen gebracht, das medizinische Personal hat mehrheitlich das Land verlassen. Die Ausnahme bilden einige Spitäler, die mit ausländischer Hilfe betrieben werden. Diese wenigen Ausnahmen konzentrieren sich auf elementare medizinische Versorgung und Erste Hilfe sowie Notoperationen.

3. Frau und Familie

Die Frauen haben in der somalischen Gesellschaft eine untergeordnete Rolle. Die Clans sind ausschliesslich patrilinear, d.h. ein Kind - ob Mädchen oder Junge - gehört zum Clan des Vaters. Dies gilt auch für eine verheiratete Frau, die immer noch zum Clan ihres Vaters gehört, auch wenn sie natürlich durch den Clan ihres Ehemannes einen gewissen Schutz erhält.

Frauen haben in der traditionellen somalischen Gesellschaft keine öffentlichen Funktionen, sie sind für den Haushalt zuständig. Im Gegensatz zu einigen anderen islamischen Ländern sind somalische Frauen nicht gänzlich verschleiert und sind selbständig zuständig für das Kleinvieh (Ziegen und Schafe), währenddem die Männer für die Kamele zuständig sind. Ebenso besitzen sie eigenes Vermögen und sie sind es meist, die die Produkte auf dem Markt verkaufen und dann über das erwirtschaftete Geld verfügen können.

Obwohl die somalischen Frauen etwa alleine auch unter Männern reisen dürfen und sich nicht gänzlich verschleiern, eigenen Besitz haben und - was das Kleinvieh betrifft - auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit besitzen, so ist die Unberührtheit einer jungen somalischen Frau enorm wichtig. Unverheiratete Frauen haben ausschliesslich verbalen Kontakt zu Männern, körperliche Kontakte sind nicht erlaubt.

Obwohl offiziell die Infibulation in Somalia schon seit 1947 per Gesetz verboten worden ist, so hat dieses Gesetz bisher noch keine Wirkung gehabt. Die Unberührtheit einer Frau zu garantieren wird oft als Grund für die Infibulation nahezu aller somalischer Mädchen (98 %) im Alter von fünf bis zehn Jahren angegeben. Die Grösse der gelassenen Öffnung wird manchmal auch als Indikator für den Wert einer Frau bei ihrer Hochzeit genommen. Eine unbeschnittene Frau gilt als nicht-verheiratbar und wird - auch wenn sie eine Jungfrau ist - von der Gemeinschaft ausgestossen.

4. Medien

4.1. Nachrichtenagenturen

Die ehemalige somalische Nachrichtenagentur SONNA (Somali National News Agency) existiert derzeit nicht mehr.

4.2. Zeitungen und Zeitschriften

Es gibt derzeit keine somalischen Zeitungen oder Zeitschriften, manchmal erscheinen "Zeitungen" in Form von Flugblättern, die anonym hergestellt wurden.

4.3. Radio

Derzeit haben einige Clans eigene Radiostationen, so zum Beispiel die Anhänger von Ali Osman Atto "Radio Mogadiscio, Voice of the Somali Pacification", welches im Sommer 1995 eingerichtet wurde. Es sendet in Somali, geplant sind auch Sendungen in Englisch und Arabisch.

Radio Maanta: Radio der UNOSOM, von Dezember 1992 bis Februar 1995

Radio Mogadiscio: Radio von Ali Mahdi Mohammed, Somali

Radio Mogadiscio: Radio von Aideed, Somali, seit Juli 1993

Radio Mogadiscio: früherer staatlicher Sender, sendet nicht mehr.

4.4. Fernsehen

Es gibt zur Zeit keinen Fernsehsender in Somalia.

 

5. Wirtschaft

5.1. Volkswirtschaft

Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 1988 bei 170 US$. Ein durchschnittliches Monatseinkommen lag 1988 bei ca. 75.- CHF.

Für die Mehrheit der Bevölkerung (ca. 75 %) bilden Landwirtschaft und Viehzucht (Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen) die Lebensgrundlage. Im Süden des Landes liegen grosse Landwirtschaftsgüter, die insbesondere Bananen (wichtigstes Exportgut), Papayas, Mangos, Zitrusfrüchte, Erdnüsse, Zuckerrohr, Hirse, Mais, Sesam und Baumwolle produzieren. Hauptindustrien: Zuckerherstellung, Textilproduktion, Milchwirtschaft, Fischereierzeugnisse. Geologische Untersuchungen lassen das Vorhandensein von Rohstoffen (Eisenerz, Uran, Quarz, usw.) vermuten. Seit 1991 ist die Wirtschaft zusammengebrochen, von einigen regionalen Ausnahmen abgesehen.

5.2. Beschäftigungssituation

Über die Beschäftigungssituation lassen sich derzeit keine Angaben machen, die wirtschaftliche Struktur Somalias ist gänzlich zusammengebrochen. Viele - vor allem junge Menschen - sind in den Clan-Milizen als "Soldaten" beschäftigt.

5.3. Währung

In der Region Somaliland wurden neue Shilling (1 neuer = 100 alte) gedruckt und sind auch im Umlauf.

1 Somalia-Shilling (So.Sh.) = 100 Cents

Es gibt Scheine zu 5, 10, 20 und 100 Shilling, und Münzen mit einem Wert von 1, 5, 10, 50 Cents und 1 Shilling.

Wechselkurs (April 1996): 1 US$ = ca. 7'000 So.Sh. (ein offizieller Wechselkurs existiert nicht)

6. Mobilität

6.1. Kommunikationsmittel

Reisen innerhalb des Landes werden meist auf dem Landweg unternommen, eine Eisenbahn gibt es nicht und der nationale Luftverkehr ist seit 1991 inexistent. Die Strassen sind allerdings sehr schlecht und nur die wenigsten Strassen sind asphaltiert, 80 % aller Strassen sind Sandpisten. Dementsprechend beschwerlich sind längere Reisen. Für die ca. 300 km lange Strecke von Mogadiscio nach Beledweyne (Belet Huen) muss man mit guter Ausrüstung zwei Tage Fahrt rechnen.

Die Häfen in Mogadiscio Kismayo und Berbera werden hauptsächlich für Exporte in die Golfstaaten benutzt. Die Schiffahrt wird kaum für Inlandreisen benutzt, obwohl Somalia eine Küste von über 3'000 km hat.

6.2. Reisepapiere

Mangels Regierung oder Grenzkontrollen braucht man derzeit keine Papiere, um nach Somalia zu reisen oder das Land zu verlassen. Die somalischen Vertretungen im Ausland stellen weiterhin auf Verlangen Reisepässe aus. Daneben gibt es in mehreren Städten ausserhalb Somalias florierende Schwarzmärkte, wo jedes beliebige somalische Dokument gekauft werden kann.

7. Regierung

7.1. Staatsoberhaupt

Derzeit kein offizielles Staatsoberhaupt, mehrere Clanführer bezeichnen sich als "Präsident": Ali Mahdi Mohammed (Abgal Sub-Clan der Hawiye), General Mohammed Farah Aidid (Habr Gedir Sub-Clan der Hawiye), Ibrahim Egal in "Somaliland" (Habr Awal Sub-Clan der Issaq).

7.2. Landesregierung

Jeder der Präsidenten hat eine eigene "Regierung" gebildet, die de facto aber über keine Kompetenzen verfügt, die über die Clangrenzen wirksam wären. Eine nationale Regierung gibt es derzeit nur in der Region Somaliland, die sich selbst als "Republik Somaliland" betrachtet.

8. Parlament

Derzeit gibt es in Somalia kein Parlament.

9. Verwaltung

Heute gibt es nur im Nordwesten Somalias, in der Republik Somaliland, eine ausreichend funktionierende Verwaltung. In den übrigen Gebieten sind administrative Strukturen weitestgehend inexistent.

Vor Ausbruch des Bürgerkrieges war Somalia in 16 Regionen und 84 administrative Bezirke unterteilt.

Die Regionen und ihre Hauptorte sind:

Bakool Oddur (Hoddur, Xuddur)

Banaadir (Mogadiscio) Mogadischu (Mogadiscio, Muqdisho)

Bari Bender Cassim (Boosaaso)

Bay Baidoa (Baidoba, Baydhabo)

Galguduud (Galgadud) Dusa Marreb

Gedo Garbahaarrey

Hiiraan (Hiran) Beledweyne (Belet Huen)

Jubbada Dhexe (Middle Juba) Buaale (Bu'aale)

Jubbada Hoose (Lower Juba) Chisimayu (Kismayo)

Mudug Galcaio (Galkacyo)

Nugaal (Nugal) Garoowe (Garoe)

Sanaag Erigavo (Ceerigaabo)

Shabeellaha Dhexe (Middle Shabele) Giohar (Jowhar, Jawhar)

Shabeellaha Hoose (Lower Shabele) Merca (Marka)

Togdheer Burao (Burco)

Woqooyi Galbeed (West Galbeed) Hargeysa (Hargeisa)

Im März 1993 beschliessen verschiedene Milizen bei einer Friedenskonferenz in Addis Abeba (Äthiopien), in Somalia eine föderalistische Struktur mit 18 Regionen zu schaffen. Die Region Woqooyi Galbeed und die Region Nugaal sollen in je zwei Regionen aufgeteilt werden, der westliche Teil von Woqooyi Galbeed soll die Region Awdal bilden, der westliche Teil - in "Somaliland" der Region Nugaal soll die Region Sool bilden.

10. Wahlen

Die letzten Wahlen in Somalia waren die Präsidentschaftswahlen vom Dezember 1986, seither gab es keine Wahlen in Somalia.

11. Recht und Gerichtswesen

11.1. Recht

In Somalia gab es vor Ausbruch des Bürgerkrieges zwei parallele Rechtssysteme. Einerseits die verfassungsmässigen Gesetze und andererseits die allgemeinen Prinzipien des Islam. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges ist das Justizsystem in Somalia zusammengebrochen und bisher nicht wieder aufgebaut worden.

Regional gibt es ein funktionierendes Gerichtssystem, wie etwa in Somaliland, wo die Scharia im Juni 1991 eingeführt wurde und die Gerichte eine Mischung aus Gewohnheitsrecht, islamischer Scharia und dem ehemaligen Strafrecht des Barre-Regimes anwenden.

Im Gebiet des Clanchefs Ali Mahdi Mohammed im Norden von Mogadiscio urteilen seit August 1994 islamische Gerichte gemäss Scharia.

Verfahrensregeln - wie etwa die Möglichkeit, sich durch einen Anwalt verteidigen zu lassen oder die Möglichkeit, Berufung gegen ein Gerichtsurteil einzulegen - existieren weder in der Rechtsprechung nach Gewohnheitsrecht noch in der Urteilsfindung gemäss Scharia.

11.2. Ordentliche Gerichte

Ende September 1993 nahm das Oberste Gericht in Mogadiscio unter dem Patronat der UNO die Arbeit wieder auf. Ob es heute noch in Betrieb ist, ist nicht bekannt. Es gibt derzeit keine weitere legale zivile Gerichte, die verschiedenen Scharia-Gerichte sind in Somaliland und im Gebiet des Clanchefs Ali Mahdi Mohammed tätig.

11.3. Sondergerichte

Es gibt zur Zeit keine Sondergerichte in Somalia.

11.4. Militärgerichte

Es gibt zur Zeit keine Militärgerichte in Somalia.

12. Militär und Sicherheitsorgane

12.1. Militär

In Somalia gibt es zur Zeit keine reguläre Armee und es besteht somit auch keine Wehrpflicht.

12.2. Polizei und Gendarmerie

Die reguläre Polizei ist seit Anfang des Bürgerkrieges 1991 verschwunden und bisher noch nicht wieder eingesetzt worden, von den wenigen Ausnahmen abgesehen, wo die UNOSOM-Mission in einigen Gemeinden eine lokale Polizei aufgebaut hat.

12.3. Milizen

Es gibt zahlreiche private Clan-Milizen, praktisch jeder grössere Clan hat seine Miliz.

12.4. Geheimdienste

Es ist möglich, dass der ehemalige somalische Geheimdienst - wie andere somalische Behörden - im Ausland weiterhin tätig ist. Es sind derzeit keine Informationen verfügbar, welche die Aktivitäten des somalischen Geheimdienst im Ausland bestätigen würden.

13. Inhaftierung und Strafvollzug

Es gibt derzeit keine Polizei (von einigen lokalen Ausnahmen abgesehen), die eine Missachtung von Gesetzen ahnden würde, die verschiedenen Milizen inhaftieren Personen nach Gutdünken und nehmen auch ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen als Geiseln. Sofern es überhaupt zu einem "Gerichtsverfahren" nach einer Inhaftierung kommt, so bestimmen häufig die Clan-Chefs willkürlich das Strafmass.

14. Allgemeine Menschenrechtssituation

Nach Abzug der UNO-Truppen im März 1995 blieb es in den meisten Teilen des Landes relativ ruhig. Eine Friedensschluss zwischen den verschiedenen Clans konnte dennoch nicht erreicht werden und es gibt somit nach wie vor keine staatlichen Institutionen wie Polizei, Gerichte, Militär oder Verwaltung, es herrscht allgemeine Anarchie, in der die verschiedenen Clans nach Gutdünken staatliche und polizeiliche Funktionen übernehmen.

Gegen Ende 1995 kam es wieder vermehrt zu Kämpfen in Mogadiscio, Baidoa und Hargeisa. In den umkämpften Gebieten werden nach wie vor zahlreiche Menschenrechtsverletzungen begangen. Plünderungen, Geiselnahmen, willkürliche Inhaftierungen, Vergewaltigungen, summarische Exekutionen und andere Menschenrechtsverletzungen sind häufig. Die meisten Menschenrechte sind überhaupt nicht oder nur solange gewährleistet, wie der jeweilige Clan sie schützen will und kann.

15. Politische und religiöse Bewegungen

– SDA, Somali Democratic Alliance. Die SDA wurde im November 1989 durch Gruppierungen des Gadaboursi-Clans gegründet. Ihr Führer ist Mohamed Farah Abdillahi. Die SDA versucht in der Umgebung der Städte Boroma, Baidoa und Zeila (Norden des Landes) Einfluss zu nehmen. Obwohl der Gadaboursi-Clan traditionellerweise mit dem Marehan-Clan des ehemaligen Präsidenten Barre verbündet ist, haben die Gadaboursi es nach Barres Sturz vorgezogen, sich mit dem Issaq-Clan der SNM zu verbünden. Die SDA hat keinen militärischen Flügel, besitzt aber eine kleine Miliz.

– SDM, Somali Democratic Movement. Die SDM ist erst seit Anfang 1991 bekannt. Die SDM besteht aus sesshaften Bauern des Rahenweyn-Clans und des Digil-Clans, die sich zwischen den Flüssen Juba und Shebelle im Südosten des Landes niedergelassen haben. Die SDM war in den vergangenen Jahren gespalten in zwei Gruppen, die eine Gruppe unter der Führung von Mohamed Nur Ali hatte sich General Mohammed Farah Aidid angeschlossen, der andere Teil unterstützte Ali Mahdi. Jetzt wird die SDM von Mohamed Ali Hamad geführt, seine Position zu den beiden grossen Milizen-Chefs ist nicht bekannt.

– SNA, Somali National Alliance. Die SNA wurde im Frühling 1992 durch den Zusammenschluss von vier Gruppen gebildet, die alle in der südlichen und zentralen Region von Somalia aktiv sind 'United Somali Congress' (USC / Aidid-Fraktion), 'Somali Patriotic Front' (SPF), 'Somali Democratic Movement' (SDM), 'Southern Somali National Movement' (SSNM). Die SNA wird angeführt von General Mohammed Farah Aidid, der damit den grössten Teil des südlichen Somalia kontrolliert.

– SNF, Somali National Front. Diese Bezeichnung entstand 1991 und bezeichnet den Zusammenschluss der verschiedenen Clans der Darod Clangruppe (Dulbahante, Majeerteen, Mareehan, Ogaden, Warsangali) die gegen die Hawiye des USC kämpfen. Ihr Führer ist General Omar Haji Maselle, ein ehemaliger Offizier der Armee von Siad Barre.

– SNM, Somali National Movement. Die SNM entstand aus der 'Somali Salvation Democratic Front' (SSDF) und wurde 1981 in London gegründet und besteht aus Mitgliedern des Issaq-Clans. Die SNM ist besser organisiert als die anderen Bewegungen und genoss die wohlwollende Unterstützung des Nachbarlandes Äthiopien, weil die SNM damals in der Opposition gegen den in Äthiopien ungeliebten Siad Barre war. Gegenwärtig wird die SNM durch arabische Staaten wie Saudiarabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützt, sowie durch die mächtige Diaspora der Issaq, die sich in Nordamerika und Grossbritannien niedergelassen hat. Die SNM, die den Norden des Landes (das ehemalige britische Somaliland) fest in der Hand hat, rief am 18. Mai 1991 die "Republik von Somaliland" aus und verkündete deren Trennung von Somalia. Das SNM hat eine islamisch-fundamentalistische Tendenz und will die Blockfreiheit und die Dezentralisierung des Staatsapparates. Vorsitzender der SNM ist Abdul Rahman Ahmed Ali "Tour" ("der Bucklige").

– SPF, Somali Patriotic Front. Diese Front wurde 1991 durch den kleinen Mirifle-Clan im Süden des Landes gegründet. Die SPF will sich vom Ogaden-Clan des 'Somali Patriotic Movement' (SPM) abgrenzen. Die SPF soll der 'Somali National Movement' (SNM) sehr nahe stehen. Die SPF ist an der 'Somali National Alliance' (SNA) von General Mohammed Farah Aidid beteiligt.

– SPM, Somali Patriotic Movement. Die SPM wurde im August 1989 gegründet, sie konzentriert ihre Aktivitäten auf den Süden des Landes (rund um die Stadt Kismayo) und wird durch den Ogaden-Clan dominiert. Die SPM ist in zwei Fraktionen gespalten, während der eine Teil unter Führung von Oberst Ahmed Omar Jess eine Allianz mit der 'Somali National Alliance' (SNA) von General Mohammed Farah Aidid eingegangen ist, hat sich der andere Teil - der Ogaden-Subclan Awlihan) unter der Führung von General Aden Abdullahi Nur Gabiyo der 'Somali Salvation Alliance' (SSA) von Ali Mahdi Mohammed angeschlossen hat.

– SSA, Somalia Salvation Alliance. Die SSA unter der Führung von Ali Mahdi Mohammed hat sich im November 1993 gebildet. Die SSA wird auch die "Gruppe der 12" genannt, weil sich in der SSA zwölf verschiedene Parteien angeschlossen haben. Die SSA kontrolliert den nördlichen Teil von Mogadiscio und kämpft verbittert mit der 'Somali National Alliance' (SNA) von General Mohammed Farah Aidid um die Vorherrschaft in Mogadiscio.

– SSDF, Somali Salvation Democratic Front. Die SSDF wurde 1981 gegründet als Koalition der 'Somali Salvation Front' (SSF), 'Somali Workers' Party' (SWP) und 'Democratic Front for the Liberation of Somalia' (DFLS). Die SSDF operierte vor 1991 von Äthiopien aus mit Unterstützung durch Äthiopien, Libyen und Volksrepublik Yemen. In der SSDF sind vor allem Angehörige des Majerteen-Clans (Clangruppe Darod) unter der politischen Führung von Mohammed Abshir. Die SSDF kontrolliert den Nord-Osten des Landes. Der militärische Führer der SSDF, Oberst Abdullahi Yussuf hat sich General Mohammed Farah Aidid angeschlossen.

– SSNM, Somali Salvation National Movement. Diese Miliz des Dir-Clans unter Führung von Oberst Abdi Warsame war ursprünglich Mitglied in der SNA von General Mohammed Farah Aidid, hat sich dann der 'Somali Salvation Alliance' (SSA) von Ali Mahdi Mohammed angeschlossen, weil General Aidid die gegen die UNOSOM-Truppen einen bewaffneten Kampf führte.

– USC, United Somali Congress. Der USC wurde 1989 gegründet. Er repräsentiert ausschliesslich die Interessen des Hawiye-Clans und ist im Zentrum des Landes, vor allem in der Region um Mogadiscio tätig. Vorsitzender 'ad interim' des USC ist Hussain Ali Shidow. Ali Mahdi Mohammed, ehemaliger Vorsitzender des Exekutivvorstandes des USC, wurde am 29. Januar 1991 zum Staatspräsidenten von Somalia ernannt. Der USC ist seit November 1991 in zwei Fraktionen gespalten, die sich verlustreich bekämpfen. Der selbsternannte somalische Präsident, Ali Mahdi, gehört zum Abgal-Clan, während General Mohammed Farah Aidid zum Habar-Gedir-Clan gehört. Beides sind Unterklans der Hawyie-Clangruppe.

– USF, United Somali Front. Die USF wurde 1989 durch Angehörige des kleinen Issa-Clans durch eine Trennung von dem 'Somali National Movement' (SNM) gegründet unter dem Namen 'National United Front of Somalia' (NUFS). Die Issa, die in Djibouti (Somalias Nachbarstaat) wichtige Positionen bekleiden, haben diese Trennung vom SNM unterstützt. Vorsitzender der USF ist Abdul Rahman Duale Ali. Die USF ist im Gebiet der selbsternannten Republik Somaliland, in der Region Awdal, tätig.

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